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Begriffserklärung Ergonomie & Prävention

Was sind rückengerechte Verhaltens- und Verhältnisprävention konkret?

Immer mal wieder stolpern wir über Fachbegriffe, die mehr oder weniger selbst erklärend sind. Bezüglich der rückengerechten Verhaltens- und Verhältnisprävention ist die Verbindung zwischen Wortwahl und Bedeutung glücklicherweise einfach. In diesem Beitrag geht es um die Konkretisierung und dies lässt sich am besten anhand von Beispiele bewerkstelligen:

Stellen wir uns Hugo, einen 45jährigen Büroangestellten vor. Hugo sitzt vornehmlich an seinem Schreibtisch und das durchschnittlich 8 Stunden täglich mit kleinen Pausen dazwischen. Zuhause wird er von seiner Familie auf Trapp gehalten und auch das eigene Haus verlangt nach Reparaturen und Gartenarbeit.

Seit rund zwei Jahren plagen Hugo immer wiederkehrende Rückenschmerzen vornehmlich im Lendenwirbelsäulenbereich. Die ärztliche Abklärung ergab, dass er an rezidivierenden unspezifischen Rückenschmerzen leide. Damit gehört Hugo internationalen Schätzungen entsprechend zu jenen etwa 85% Prozent der chronischen Rückenschmerzpatienten, bei denen die Ursache nicht unmittelbar mit organischen Schäden korreliert¹. Was bedeutet das konkret für Hugo?!

Auf folgenden zwei Ebenen kann Hugo aktiv für seine Rückengesundheit werden:

Was ist rückengerechte Verhaltensprävention?!

Der Rücken schmerzt und Hugo würde am liebsten nichts mehr machen und sich einfach nur noch ins Bett legen. Er kennt den Schmerz schon von seinen letzten Episoden. Im Anfangsstadium tut jede kleinste Bewegung weh. Doch es klingt vielleicht verrückt und abwegig, aber die aktuelle Forschung bestätigt es: Wenn die Schmerzursache vom Arzt abgeklärt ist und Bewegung freigegeben wurde, hilft nur eins: Bewegung!

Hier setzt die rückengerechte Verhaltensprävention an: Jeder von uns hat die Chance, sein eigenes tagtägliches Verhalten zu bestimmen. Es muss uns nur klar sein, dass es an uns liegt und dass nur jeder für sich selbst, das Steuer in Richtung Rückengesundheit manövrieren kann!

Leichter gesagt als getan! Das bestätigt auch der praktische physiotherapeutische Alltag! So groß ist oft die Hürde der Überwindung und die zu lange ist die To-Do-Liste, was denn noch vor dem eigenen Wohlergehen zu erledigen sei! Und leider auch: Zu gravierend und schwerwiegend sind die Ausreden, nicht schon im Vorfeld etwas zur Prävention der nächsten Schmerzepisode zu tun!

Dem einen hilft tatsächlich die Motivation in einer Gruppe, die sich regelmäßig zum Training trifft. Dem anderen genügt schon ein erinnerndes Poster, das über dem Schreibtisch hängt. Wichtig ist: In Bewegung bleiben!

Du handelst für oder gegen deine eigene Gesundheit und das muss einem täglich bewusst sein! Doch das ist zwar ein wesentlich Teil für mehr Rückengesundheit, aber nur die halbe Miete.  Was tun, wenn die persönlichen Umstände und die Umwelt einen Strich durch die Rechnung machen? Ich meine hier in erster Linie die Gestaltung des eigenen Lebensraumes:

Was ist rückengerechte Verhältnisprävention?!

Das Wort Verhältnis drückt es im Prinzip schon aus: In welchem Verhältnis steht, sitzt, trägt, gärtnert, schläft Hugo im Vergleich zu seinen persönlichen Kapazitäten? Wir können auch sagen: Wie sind Belastung- und Belastbarkeit in Beziehung zu setzen und halten sie sich im Sinne der persönlichen Gesundheit die Waage?!

Belastungen gibt es in Hugos Umfeld einige, sowie im Alltag eines jeden von uns! Und das ist per se auch gut so, so lange die individuelle Belastbarkeit im Einklang damit ist. Konkret heißt dies: Wenn Hugo im Büro sitzen muss, für ausreichend Bewegung durch regelmäßiges Aufstehen, die Aktivierung seiner Muskulatur sorgt und keine Rückenprobleme entwickelt, ist alles im Lot.

Wenn jedoch im Lauf der Zeit oben bereits genannte Komplikationen eintreten, muss Hugo handeln und auch seine Umwelt rückengerecht gestalten: Eine einfache Möglichkeit besteht darin, den häufig verwendeten Blattlocher oben im Ordnerregal zu positionieren und sich selbst zum Aufstehen zu ermuntern. Wir müssen uns manchmal quasi selbst eine im positiven Sinn gedachte Mausefall stellen!

Noch ein weiteres Beispiel: Seit längerer Zeit stellt Hugo fest, dass seine Fuße abends unheimlich verkrampft und müde sind. Er geht doch auch regelmäßig joggen und fühlt sich dabei relaxt. Er kann es sich nicht erklären, warum nun auch noch die Füße weh tun. Ein Kollege gibt ihm den Hinweis, dass seine Schuhe eventuell zu klein und zu schmal sind.

Ein Phänomen, dass nicht selten auch schon im Kindesalter vorkommt. Füße, eingeklemmt in ein gut ausshendes, aber viel zu enges Haus, sind auf Dauer keine Basis für eine gesunde Wirbelsäule! Die Zehen fangen an zu krallen, weil sie nicht ständig vorne anecken wollen. Auch hier gilt es, sein Equipement entsprechend seinen körperliche Bedürfnissen zu gestalten und nicht jedem Modetrend hinterher zu latschen.

Rückengerechte Verhaltens- und Verhältnisprävention sind vieleitig und vielschichtig. Wichtig ist eine Tatsache: Es liegt an uns, was wir mit unserer Rückengesundheit machen!

In diesem Sinne, bleibe in Bewegung!

Rosi

¹siehe: Aktion Gesunder Rücken e.V. – Der Fernlergang – 5. Auflage, Frühjahr 2014, Seite 27.

Die Macherin

© Kathrin Rosi Würtz, Bonn.

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